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Warum ist uns Sauberkeit so wichtig?

Wissen
Neugierig sind ja bekanntlich fast alle Menschen. Schon als Kind haben wir allerhand erlebt und ausprobiert. Bereits damals kam uns oft die Frage nach dem „Warum“ in den Sinn. Während wir uns als Kind immer gefragt haben, warum wir denn schon wieder unser Zimmer aufräumen sollen, kam jetzt Jahre später die Frage auf: Warum ist uns Sauberkeit so wichtig?  Und weil es schon immer geklappt hat, jemanden zu fragen, der sich mit dem Thema auskennt, bat das Kobold Redaktionsteam Ralph Radach, Professor für allgemeine und biologische Psychologie an der Bergischen Universität Wuppertal, um Antworten.

Das Bedürfnis nach Sauberkeit

Zuallererst wollten wir natürlich wissen, wo das Thema Sauberkeit herkommt.

Prof. Radach: Evolutionär liegt die entscheidende Wurzel für die Entwicklung von Sauberkeit darin, dass durch die Vermeidung von verschmutzungsbedingter Krankheit die Wahrscheinlichkeit des eigenen Überlebens und damit die Weitergabe des eigenen Erbgutes erhöht wird. Auf dieser Grundlage gehört eine Neigung zur Sauberkeit beim Menschen bereits zur naturgeschichtlich bestimmten Ausstattung der Art.

Fotonachweis: Maren Wagner/Bergische Universität Wuppertal

Die Bedeutung von Sauberkeit erlernen

Ganz platt ausgedrückt: Wer nicht in Sauberkeit lebt, wird schneller krank, stirbt früher und kann sich so nicht vermehren. Dass wir die Bedeutung von Sauberkeit aber auch erst lernen müssen, macht dieses Beispiel deutlich:

Prof. Radach:
Die Rolle des individuellen und sozialen Lernens kann anhand eines Beispiels aus der biologischen Verhaltensforschung illustriert werden: Auf der japanischen Insel Kojima gaben 1952 japanische Wissenschaftler einer Gruppe von Schneeaffen Süßkartoffeln, die in den Sand geworfen wurden. Die Verschmutzung der Früchte verminderte deutlich die Attraktivität dieser Art von zusätzlicher Nahrung. Ein neun Jahre altes weibliches Tier fand heraus, dass es dieses Problem lösen konnte, indem es die Kartoffeln im Salzwasser des Ozeans wusch. Diese Technik wurde von anderen Artgenossen übernommen, sodass nach einigen Jahren schließlich die gesamte Gruppe gelernt hatte, die Früchte zu säubern.

Unser Sinn für Sauberkeit musste sich erst entwickeln

Wir müssen über unser Leben hinweg also erst einmal lernen, dass ein aufgeräumtes Kinderzimmer oder später eine saubere Küche für uns Menschen von Vorteil ist. Doch da kommt doch unweigerlich die Frage auf, warum sich die Leute früher kaum regelmäßig gewaschen haben. Selbst an den europäischen Höfen wurden noch in napoleonischer Zeit die üblen Gerüche unter Parfüm versteckt. Auch darauf hat der Professor eine Antwort.

Prof. Radach: Bekanntermaßen war die Kultur der Reinigung im spätmittelalterlichen Mitteleuropa auf ein Minimum gesunken. Dabei spielte ironischerweise gerade die Beobachtung, dass öffentliche Bäder eine Brutstätte von Seuchen waren, eine wesentliche Rolle bei der zunehmenden Vernachlässigung der Sauberkeit im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance und Neuzeit.

Unser gegenwärtiges Verständnis von Sauberkeit und Verschmutzung ist in erster Linie ein Produkt der beginnenden industriellen Gesellschaft. Beispielsweise erkannte erst Mitte des 19. Jahrhunderts der britische Arzt John Snow den Zusammenhang zwischen Trinkwasserverschmutzung und Cholera und wenig später, etwa ab 1865, etablierte Max von Pettenkofer (1818‐1901) auf der Grundlage erster Messungen in Luft, Boden und Wasser die Hygiene als Wissenschaft. Seitdem ist Sauberkeit einerseits zu einem Maßstab von Gesundheit und Wohlbefinden, andererseits aber auch von Ordnung und Wohlstand geworden.

Unsere Vorfahren waren also ziemlich unwissend. Ein Zusammenhang von Verschmutzung und einer daraus resultierenden Übertragung von Krankheiten war damals noch kaum bekannt. Erst zu Beginn der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert fingen die meisten Menschen in Europa an, Sauberkeit als etwas Essentielles für das eigene Leben zu betrachten. Dieses Wissen wurde über Generationen hinweg weitergetragen. Jetzt verstehen wir auch, warum unsere Eltern immer gesagt haben, dass wir unser Zimmer aufräumen sollen, damit dort dann geputzt werden kann. Aber wie ist das Putzverhalten und das Empfinden für Sauberkeit heute? Sind wir Deutschen wirklich so reinlich, wie man uns das nachsagt?

Von wegen der pingelige Deutsche

Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts der YouGov Deutschland GmbH* sind wir gar nicht so pingelig, was die Sauberkeit anbelangt. Denn ein Drittel der Bundesbürger nimmt es nicht so genau, wenn es um das Reinigen der Wohnung geht. Zwar gaben über 80 Prozent der Befragten an, dass ein sauberes Zuhause wichtig sei, dennoch gaben 67% der Deutschen zu, dass Sie weniger als 3 Stunden pro Woche putzen. Vier Prozent würden sogar gar nicht putzen, so das Umfrageergebnis. Doch nicht nur die Häufigkeit und Intensität der Reinigung in deutschen Haushalten spielte in der Befragung eine Rolle, die Teilnehmer sollten auch angeben, welche Aufgaben besonders unbeliebt seien. Mit 16% hat es das Staubsaugen auf Platz vier geschafft. Auf dem Bronzerang landet hier mit 30% der Stimmen das Bodenwischen. Gewinner der Silbermedaille ist das Putzen des Badezimmers. Für 38% der Deutschen ist dies die unbeliebteste Aufgabe. Mit einem großen Abstand auf Platz eins liegt mit 52% das Fensterputzen.
Die Produkthelfer der Kobold-Familie erleichtern jedoch die ungeliebten Arbeiten. Der SP530 Saugwischer beispielsweise vereint das lästige Feudeln und Staubsaugen in einem Schritt. Mit dem VG100 Fensterreiniger lassen sich die Fenster in einem Schritt sauber machen. Einfach ansetzen und abziehen, schon sind die Fenster streifenfrei sauber.

Über die Jahrhunderte hat sich die Bedeutung von Sauberkeit grundlegend geändert. Heute gehören persönliche Hygiene und Sauberkeit im Wohnbereich einfach zu unserem Leben dazu. Zwar machen wir nicht besonders gern sauber, uns ist aber die Wichtigkeit dieser Aufgabe dennoch bewusst. Deshalb versuchen wir uns die Arbeit zu einfach wie möglich zu machen, was aufgrund des technischen Fortschritts heutzutage durchaus besser funktioniert als noch vor 100 Jahren.

*Die verwendeten Daten beruhen auf Online-Umfragen der YouGov Deutschland GmbH, an denen 9439 Menschen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den USA, Argentinien und Japan ab 18 Jahren teilnahmen.


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