KOBOLD Magazin

Wie kam es zum Kobold SP530? Ein Interview mit dem Entwicklerteam

Wissen
Man könnte sie auch als „Drei Engel für den Saugwischer“ bezeichnen. Andreas Schofer, Jörg Klinkhammer und Uwe Kemker haben über fünfeinhalb Jahre zusammengearbeitet, um ein Produkt zu entwickeln, das mittlerweile zu den beliebtesten im Hause Kobold gehört. Die Rede ist vom Kobold SP530. Die Redaktion der Kobold Erlebniswelt hat den Dreien einen Besuch abgestattet und dabei spannende Einblicke zur Produktentwicklung bei Vorwerk erhalten.

Kobold Erlebniswelt: Wann kam Ihnen zum ersten Mal die Idee zum Saugwischer? Was war der Auslöser?

Jörg Klinkhammer: Wir hatten damals ein Produkt in unserem Portfolio, das eine Art Kehrmaschine war. Dem einen oder anderen ist der Saugbohner „Pulilux“ vielleicht noch in Erinnerung. Ein wiederkehrender Kritikpunkt an ihm war, dass man beispielsweise Kaffeeflecken mit dieser mechanischen Trockenreinigung nicht entfernen konnte. So kam der Anreiz ein neues Produkt zu entwickeln. Zunächst wollten wir bei der trockenen Saugung bleiben und einen Aufsatz mit Fleckenlösungsmittel installieren. Das Problem war aber folgendes: Zwar hatten wir den Kaffeefleck jedes Mal super entfernt, allerdings war auch der Boden dermaßen gut gereinigt, dass eine Art „sauberer Fleck“ überblieb (lacht). Daher die Überlegung, dass man in Richtung „flächige Reinigung“ forschen müsse. Da wir aus der Staubsaugerwelt kommen, wollten wir dennoch einen Staubsauger hinten dran behalten.

Andreas Schofer: Die grundlegende Erkenntnis war, dass eine zuverlässige Fleckenentfernung nur mit Feuchtigkeit möglich ist. Da wir aus der „trockenen Welt“ kommen, war das natürlich ein Paradigmenwechsel. Die konkrete Zielsetzung war es aber, nicht etwa ein eigenes Produkt zur Nassreinigung zu entwickeln, sondern eine Systemkomponente, die auf unsere bestehenden Staubsauger aufgesetzt werden könnte.

Kobold Erlebniswelt: Wie ging es nach der ersten Inspiration weiter?

Andreas Schofer: Wir haben uns die gesamte Welt der Flächen- und Feuchtreinigung angesehen. Das reichte sogar bis in den industriellen Bereich. Eine zusätzliche Herausforderung bestand darin, dass man eine Lösung zur Feuchtreinigung auf allen Böden finden musste – über Fliesen, Naturstein, Kunststoff- oder Holzböden hinweg. Schließlich kann kaum ein Verbraucher eine Spezialmaschine pro Bodenbelag bei sich lagern.

Jörg Klinkhammer: Natürlich mussten auch die Kundenmeinungen berücksichtigt werden. Wir fragten uns: „Wie gehen unsere Kunden heute bei sich zu Hause vor?“ Von der Oma hat man ja meistens gelernt, dass man in der Küche oder im Bad am besten den Eimer auskippt und viel Wasser verwendet. Und dann mit Schrubber und viel Muskelkraft zu Werke geht. Auf den Holzböden ist es natürlich tödlich, wenn man da mehr als „nebelfeucht“ wischt. Diese Gegensätze haben uns viel Kopfzerbrechen bei der Produktentwicklung bereitet.

Kobold Erlebniswelt: Welche Schritte musste das Produkt in der Entwicklung bei Vorwerk anschließend durchlaufen?

Andreas Schofer: Nach Konsolidierung der einzelnen Anforderungen hat man dann im Rahmen von  Workshops eine technische Lösung definiert, die geeingnet war alle Herausforderungen zu bewältigen. Unser Lösungsansatz basierte auf Walzen. Dieser „Walzen-Prototyp“ wurde sukzessive weiterentwickelt. Nach einer Vielzahl von Tests zeichnete sich allerdings ab, dass die Komplexität in Technik, Produktion und Handhabung zu anspruchsvoll war, um jemals Marktreife zu erlangen. Denn unsere Produkte sollen Hausarbeit in erster Linie vereinfachen. Ein Jahr Arbeit mussten also verworfen werden. Daraufhin schlugen wir einen neuen Weg ein und entwickelten einen Prototyp mit Schwingplatte, der zunächst nur die Mechanik des manuellen Wischens imitierte. Dieses Muster legte den Grundstein für den heutigen SP530 - das war im Januar 2008.

Uwe Kemker: Hieran sieht man sehr schön, dass Entwicklung und Innovation auch den Mut verlangen, liebgewonnene Konzepte zu verwerfen und neue Wege zu gehen.

Andreas Schofer: Die nächsten Schritte bestanden darin den Projektvorschlag zu erstellen mit dem Beweis, dass die Idee wirklich funktioniert. In den nächsten Phasen wurden Muster weiterentwickelt, die zeigten, dass das Gerät industriell darstellbar ist. Der SP zwang uns ein völlig neues technisches Gebiet zu betreten. Was heute einfach aussieht, glich damals einer kleinen Revolution, und ist bis heute auch weltweit einzigartig – abgesehen von tonnenschweren Industriegeräten.

Kobold Erlebniswelt: Sah der SP350 von Anfang an so aus, wie heute oder gab es maßgebliche Veränderungen im Design?

Andreas Schofer: Neun bis zehn verschiedene Mustergenerationen haben wir im Zuge des SP-Projektes entwickelt. Am Anfang stand – wie schon erwähnt -  die Schwingplatte. Dann gab es weitere Teilmuster, die spezifische Fragestellungen lösten. Eines befasste sich damit, wie wir die Gerätesicherheit vor Feuchtigkeit herstellen. Ein anderes Muster zeigte, wie wir die Schwingplatte adaptieren und ein weiteres, wie wir die Saugkomponente integrieren. Sukzessive wurden die Muster zusammengefügt – wie bei einem Puzzle. Nach einem Dreivierteljahr hatten wir endlich ein einheitliches Muster, in dem alle Funktionen abgebildet wurden. Immer in enger Abstimmung mit dem Design.

Uwe Kemker: Eine wegweisende Entscheidung war zum Beispiel der Bügel. Damit das Gerät nicht kippt, musste der Kraftantriebspunkt aus dem Staubsauger möglichst tief sitzen, was großen Einfluss auf die schlussendliche Form des heutigen SP530 hatte.

Kobold Erlebniswelt: Was lag Ihnen bei der Entwicklung des SP530 besonders am Herzen?

Andreas Schofer: Die Vision für das Projektteam bestand in der „Industrialisierung der Feuchtreinigung“. Es gibt Spülmaschinen, Waschmaschinen, aber die Bodenfeuchtreinigung musste bis zu diesem Zeitpunkt händisch gelöst werden. Ein weiterer Aspekt, der mir persönlich am Herzen lag, war die Reinigung bis zum äußersten Rand. Wenn der Kunde die Feuchtreinigung macht, hat er sofort ein Erfolgserlebnis: Das Tuch erreicht die Fläche bis zum Rand und es muss nirgends händisch nachgereinigt werden. Unser Saugwischer bietet ihm also einen echten Mehrwert.

Kobold Erlebniswelt: Gab es im Zuge der Produktentwicklung ein Nadelöhr, das Sie vor eine besondere Herausforderung stellte?

Andreas Schofer: Es gab im Rahmen der Entwicklung unzählige Krisen und Herausforderungen – kleiner wie größere. Das gehört dazu. Aber man muss an das Ziel und sein Team glauben. Gerade Herr Klinkhammer war ein Fels in der Brandung. In einer Mafo hat eine Dame aus dem Auditorium gesagt, dass sie nicht daran glaubt, dass eine solche Entwicklung möglich sei. Wir hatten damals lediglich ein Design- und kein Funktionsmuster. Aber sie ergänzte im gleichen Atemzug: Wenn es doch möglich ist, dann schafft es nur eine Firma wie Vorwerk. Das war Balsam für die Seele und ist mir stark in Erinnerung geblieben.

Uwe Kemker: Ein Nadelöhr, das mir persönlich im Gedächtnis geblieben ist, war die Internationalität unserer Produkte. Kunden weltweit haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse und diese bei der Entwicklung und beim Design im Auge zu behalten, war natürlich ganz besonders wichtig.

Jörg Klinkhammer: Die allergrößte Herausforderung bestand eigentlich schon in  der bloßen Aufgabenstellung. Trocken- und Feuchtreinigung zusammenführen? Das gab es nicht. Saugen und Wischen in einem Arbeitsgang zu verbinden mit der Anforderung, dass die Systemkomponente an einen Staubsauer passt, der nichts rein gar nichts mit Feuchtigkeit zu tun hat. Und dann noch auf allen Hartbodentypen. Das war ein hartes Stück Arbeit.

Kobold Erlebniswelt:
Wieviel Zeit lag letztendlich zwischen der ersten Inspiration und dem marktreifen Produkt?

Andreas Schofer:
Die reine Produktentwicklung von der Konzeptidee zum Marktreifen Produkt dauerte dreieinhalb Jahre. Nimmt man die Zeit der Ideenfindung und des Brainstormings hinzu, verlängert sich die Zeit um weitere zwei Jahre. Also fünfeinhalb Jahre insgesamt.

Kobold Erlebniswelt: Welche Vorteile bietet Ihr Produkt für den Verbraucher?

Andreas Schofer: Aus persönlicher Sicht: Ich sehe bei der Arbeit zu. Das Gerät lässt sich schwebend über den Boden führen und man muss nichts weiter machen. Für mich ist Saugwischen so einfach wie Staubsaugen.

Uwe Kemker: Die Zeitersparnis.

Jörg Klinkhammer: Saugen und wischen gleichzeitig – ganz einfach.

Kobold Erlebniswelt: Wie begegnen Sie kreativen Denkblockaden?

Uwe Kemker: Das Schöne ist ja, dass man im Team arbeitet. Das beugt Denkblockaden vor. So wirklich gibt es sie auch nicht. Aus der eignen Erfahrung heraus lassen sich immer neue Wege finden – man muss nur flexibel sein.

Kobold Erlebniswelt: Was würden Sie angehenden Produktdesignern raten?

Uwe Kemker: Für mich müssen Designer Dinge permanent in Frage stellen, durchaus unbequem in Ihren Bestreben die kreativ neue und aber auch beste Lösung im Sinne des Kunden zu finden. Das ist das Wichtigste, was ein Designer in meinen Augen für die kreative Teamarbeit mitbringen muss.

Adreas Schofer:
Entwicklerteams sollten zudem stets die Kundensicht im Hinterkopf behalten. Ich kann erst an ein Produkt glauben, wenn ich es mitnehmen kann, meiner Frau präsentiere und die auf Anhieb einen Kundennutzen erkennt. Dann erst war meine Entwicklungsarbeit erfolgreich.

Kobold Erlebniswelt: Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Zum Abschluss des Interviews durften wir noch einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die spannende Entwicklung des Saugwischers von der Idee, über das erste Funktionsmodell, das Designmodell bis hin zum SP520 Hartbodenreiniger und dem heutigen Kobold SP530 Hartbodenreiniger:

Passendes Produkt

Kobold SP600 Saugwischer

  • Saugen und Wischen in Einem
  • 50% Zeitersparnis


Beliebteste Artikel


Das könnte Sie auch interessieren